Danke liebe Sehnsucht.

Ich wusste nicht wonach ich suchte, doch ich habe immer weitergesucht. Ich wusste nicht mal, dass ich auf der Suche war. Doch plötzlich war sie da, diese Sehnsucht, als ob wir uns schon immer kennen und als ob ich all die Jahre nur für sie dagewesen bin! Nie hätte ich gedacht, dass es die Sehnsucht ist, die mich immer wieder antreibt Dinge zu tun.

Vielmehr fühlte ich mich oft getrieben unermüdlich Dinge zu schaffen. Im Tun lenkte ich mich ab, dachte ich zumindest, von meiner Verletzlichkeit und dem Schmerz. Ich lernte neue Techniken, um mich zu entspannen und übte das Nicht-Tun. Doch egal wie und was ich versuchte – ich konnte nicht aufhören Dinge zu tun, Neues zu erfahren, zu kreieren, zu lernen. Manchmal war ich wie gefangen und fühlte mich verraten vom Leben. Wo führt das nur hin? Dieses zwanghafte Schaffen ohne je anzukommen. Wieso ich? Was ist der Sinn? Je mehr ich mich dagegen sträubte, desto intensiver wurde mein Tun. Auch habe ich versucht über eine längere Zeit Nichts zu tun und all meinen Impulsen zu wiederstehen – habe all diese Schaffenskraft versucht zu unterdrücken – erfolglos. Über die Jahre habe ich Frieden geschlossen mit meinem Drang Dinge zu tun, mich irgendwo hin zu bewegen. Nur manchmal waren da noch diese Momente der Sinnlosigkeit und der Erschöpfung. Nie hätte ich gedacht, dass ich die Sehnsucht habe, nie. Ich habe das oft beobachtet bei anderen, doch ich, niemals!

Es war ein ganz normaler Tag, nichts Aussergewöhnliches und plötzlich hat sie sich gezeigt in ihrer ganzen Pracht und kraftvollen Präsenz, die Sehnsucht. Sie lies mich nicht mehr los und obwohl wir uns eben erst begegnet sind, fühlt es sich an, als ob sie schon immer da gewesen war, in meinem Leben. Plötzlich rückte alles an seinen Platz. Ich fühlte eine Sinnhaftigkeit und für das erste Mal seit langer Zeit konnte ich eine tiefe Verbundenheit und Frieden erfahren. Ich konnte meine Gedanken loslassen und mich voll und ganz hingeben, meiner Sehnsucht. Denn sie ist es, die mir zeigt, wie ich zu einer noch besseren Version meiner Selbst heranreife. Danke liebe Sehnsucht, danke, dass du mich nie aufgegeben hast.

Foto: SimoneRita Egger, foothills of the Himalaya

468 ad